• Home
  • Kramatorsk – Tag des Todes

Kramatorsk – Tag des Todes

8. April 2022 Dani Comments Off

Der heutige Tag wird wohl immer in Erinnerung der Bevölkerung von Kramatorsk bleiben. Der Bahnhof wurde heute 08. April um 10:28Uhr Ortszeit (OEZ) von mehreren russischen Totschka-Raketen getroffen. In dieser Zeit waren mehrere Tausend Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, auf dem Bahnhof, welche Richtung Westen vor den russischen Angriffen flüchten wollten.

Foto: AP

Bei diesem Raketenangriff kamen 61 Menschen (ein paar davon starben bis 21. Mai im Spital) ums Leben, darunter auch 16 Kinder. Über 120 Menschen wurden verletzt. Am Bahnhof in Kramatorsk hielten sich zahlreiche Menschen auf, die auf eine Evakuierung hofften. Zuvor hatten die ukrainischen Behörden die Bevölkerung zur Flucht aufgefordert. In der Region steht eine russische Offensive bevor. Am Vorabend wurde in prorussischen Telegram-Gruppen aufgerufen den Bahnhof nicht zu besuchen.


Die ballistische Rakete explodierte um 10:28 Uhr hoch über dem Bahnhof und setzte Dutzende von Munitionsteilen frei. Diese schlugen auf dem Boden ein, detonierten und töteten und verletzten zahlreiche Menschen, die auf dem Bahnhof warteten, darunter auch Kinder und ältere Menschen. Eine Frau, die mit ihrer Familie auf dem Bahnsteig wartete, beschrieb das Chaos: „Bei den ersten Explosionen haben wir nicht verstanden, was los war. […] Als die Leute zu schreien begannen, verstand ich, dass etwas Schreckliches passierte. [… ] Wir warfen uns auf den Boden. Aber meine Schwiegermutter [72 Jahre alt] hat nicht schnell genug reagiert und blieb sitzen. Ihr wurde ein Bein abgerissen, das andere war gebrochen, und dann starb sie.“

Eine der Raketen, die zwischen den Trümmern in der Nähe des Bahnhofs lag, trug die weißgetünchten kyrillischen Buchstaben ‚за детей‘, was auf Russisch „(Vergeltung) für die Kinder“ bedeutet. 
„Das ist ein Übel, das keine Grenzen kennt. Und wenn es nicht bestraft wird, wird es nie aufhören.“ sagte Präsident Selenskyj.

Russland hat unter Einsatz von Streumunition Dutzende von Zivilist*innen getötet und damit gegen das Kriegsrecht verstoßen. Der Angriff stellt ein mutmaßliches Kriegsverbrechen dar, so Human Rights Watch und SITU Research in einem heute veröffentlichten Bericht und Video.
Der Bericht „Death at the Station: Russian Cluster Munition Attack in Kramatorsk“ ist das Ergebnis einer neuen umfassenden Untersuchung und rekonstruiert in Text und Video die Abfolge der Ereignisse rund um den rechtswidrigen Angriff Russlands auf Kramatorsk.

Streumunition ist aufgrund ihrer großflächigen wahllosen Wirkung und der lang anhaltenden Gefahren für die Zivilbevölkerung nach internationalem Recht verboten. Streumunition öffnet sich in der Luft und verteilt Dutzende oder sogar Hunderte Einheiten kleiner Submunition über ein großes Gebiet. Oft explodiert sie beim ersten Aufprall nicht und hinterlässt Blindgänger, die bei Berührung wie Landminen wirken.

Die Totschka-U bringt die 9N24-Submunition in einem Streumunitionsgefechtskopf 9N123K aus. Der Streumunitionsgefechtskopf enthält 50 Splitter-Submunitionen. Nach Angaben des russischen Herstellers enthält jede 9N24-Submunition 1,45 kg Sprengstoff und zersplittert in etwa 316 gleich große Fragmente. Dies bedeutet, dass etwa 15.800 tödliche Metallsplitter im Bahnhof und in der Umgebung niedergingen.