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4. Ziel Kramatorsk im Donezk

16. April 2023 Dani Comments Off

Der Einsatz von klotenhelpsukraine war diesmal schon sehr gewagt. Denn als Ziel stand die Stadt Kramatorsk im Oblast Donezk, unmittelbar bei der hart umkämpften Stadt Bachmut in der Ostukraine auf dem Plan. Da der Weg dorthin, zwischen Charkiv und Donezk, über 200km nahe der russischen Grenze erfolgte, wurde bewusst im Vorfeld nicht genauer darüber berichtet. Doch der erste Zwischenhalt nach dem Start in Kloten, war Borodjanka bei Kiev. Jedoch alles der Reihe nach.

Nach der Sammelaktion in der Stadthaus-Passage am 1. April, wurden auch am Montag und Dienstag 3. und 4. April Sachspenden an der Sammelstelle abgegeben, als das Team bereits am Sortieren und Verpacken war. Spontan kamen auch noch weitere Helfer:innen dazu.

Da diesmal ab Kiev nochmals rund 1350km mehr auf dem Fahrplan standen, als bis anhin, wurde extra ein grösserer Diesel-Transporter organisiert. Das Geld für den Kauf wurde dem neuen Verein als zinsloses Darlehen zur Verfügung gestellt.

Weil zudem schnell ersichtlich wurde, dass insbesondere wegen den fünf Generatoren auch im grösseren Fahrzeug der Platz eng wird, wurde am Dienstag eiligst nochmals den Anhänger von Freunden ausgeliehen. Nach und nach füllte sich am Dienstag dann der Transporter bis unters Dach.

Nachdem noch die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, startete Dani Buchs dann am frühen Donnerstagmorgen Richtung Ukraine. Nach heftigem Wintersturm in Ostpolen ging die Fahrt nach Korczowa. An der polnischen Grenze noch weitere Artikel aufgeladen, welche extra dorthin bestellt wurden, um Zoll- und Transportkosten zu sparen. Nach rund 3.5 Stunden zwischen den beiden Grenzen Polen – Ukraine, kam Buchs dann gegen 4 Uhr am Morgen in der Ukraine an. In der Stadt L’viv (Lemberg) begegnete er dann den Züri-Trams, welche die Woche zuvor losgeschickt wurden.

Nach weiteren rund 520km über Riwne und Schytomyr, traf Buchs nach rund 2220km am Karfreitag (MEZ) in Borodjanka ein, wo er am frühen Abend die ersten Sachspenden der dortigen Gemeineapotheke und seinem Team übergeben konnte.

Danach ging die Fahrt am Abend noch bis nach Kiev, wo das Appartement bezogen wurde, um die Weiterreise Richtung Ost-Ukraine vorzubereiten. Nachdem Buchs das Wochenende für die Organisation nutzte, war dann am Montag der erneute Aufbruch angesagt. Der Weg führte über Lubny und Poltawa in das 480km entfernte Charkiv im Nordosten der Ukraine. Doch rund 160km vor Charkiv passierte dann das Unerwartete; die erste Reifenpanne nach so vielen Aktionen und Kilometer in der Ukraine. Zum Glück befand sich in der Nähe gleich eine Autowerkstatt, wo es auch einen feinen Kaffe gab.

Durch die Panne verlor Buchs rund drei Stunden, weshalb er ausserhalb Charkiv übernachten musste. Die romantische Abendstimmung trübte die Lage vor Ort; den Charkiv ist auch nach der Rückeroberung im Herbst 2022 noch immer regelmässig unter Beschuss und nur knapp 40km von der Front entfernt.

Am Dienstagmorgen standen dann die restlichen 200km bis nach Kramatorsk auf dem Plan, wobei die Strecke auch durch die massiv zerstörte Stadt Izjum führte. Da die beiden Hauptbrücken ebenfalls zerstört waren, musste ein Umweg gefahren werden.

Nach dem Checkpoint bei der Oblastgrenze zum Donezk, führte die Reise weiter durch das komplett zerstörte Dorf Dolyna und die Stadt Slowjansk im Rajon Bachmut, bevor Buchs gegen 10.00 Uhr am Morgen nach 2958km die Stadt Kramatorsk erreichte. Anbei auch eine aktuelle Übersicht der Lage.

Die Stadt Kramatorsk ist nur 35km Luftline von der Front in Bachmut entfernt und gehört zum Oblast Donezk in der Ostukraine. In einem Café am Stadtrand, welches weitherum als einziges offen hatte, versuchte Buchs die Kontaktdaten und Adresse der lokalen Hilfsorganisation TatoHub herauszufinden, wo er die Sachspenden aus Kloten abgeben möchte. Gegen 11.30 Uhr war es dann endlich soweit. In einem Wohnviertel im Zentrum traf er bei den Räumlichkeiten der Organisation ein, wo ihn der Leiter Oleksandr Ivanov mit seinem Team begrüsste.

Alle halfen tatkräftig mit, die Sachspenden aus Kloten und Umgebung auszuladen und in der Sammelstelle einzulagern. Gleichzeitig kamen ständig Menschen vorbei, um ihre Tagesration an Brot abzuholen, welche sie nur gegen Unterschrift und Beweisfoto bekamen. Oleksander und sein Team waren sehr erfreut über die zahlreichen Spenden aus der Schweiz.

Insbesondere die durch das Team von Klotenhelpsukraine zusammengestellten «Koch-Sets» mit Gaskocher, Ersatzkartuschen, Pfannen, Wasserkanister etc. seien sehr hilfreich, meint Oleksandr. Denn durch die ständigen Beschüsse in der Region gibt es hier kaum Strom und Wasser. Noch während sich Buchs mit dem Team unterhielt, hörte man nach Luftalarm, wie unmittelbar in der Nähe zwei Mörsergranaten einschlugen. Doch nach all den Artilleriebeschüssen der vergangenen Monaten, schreckt hier kaum jemand mehr hoch.

Die Bevölkerung aus Kramatorsk, aber auch aus der Umgebung bis zur Front, waren sehr dankbar für die vielen Sachspenden, wie die folgenden Fotos zeigen. Ein junges Ehepaar meinte, dass gerade Babysachen (sie wurden vor wenigen Monaten Eltern) schwer aufzutreiben sind in der Region, weil der Nachschub in die Ostukraine schwierig ist.

 

Nach der Spendenübergabe in Kramatorsk fuhr Buchs westlich nach Saporischschja, wo er eine Kollegin einer lokalen Hilfsorganisation besuchte und auch dann in einem Hotel im Zentrum übernachtete. Auch Saporischschja wird immer wieder von Raketen getroffen, wie sich diese Tage zeigte. Dabei traf es auch zivile Wohngebäude im Zentrum.

Am Mittwoch fuhr er dann nördlich via der Millionenstadt Dnipro zurück nach Kiev. Hier verweilte Buchs noch ein paar Tage, weil er in der Stadt Borodjanka den zerstörten Kindergarten (siehe auch Artikel unter HILFSAKTION) besuchte und bereits seine nächste Tour vorbereitete.

Am späten Sonntagabend 16. April traf dann Buchs nach fast 35-stündiger Rückfahrt via Polen und Deutschland wieder in Kloten ein. Gesamthaft hatte er auf dieser vierten Reise, welche zehn Tage ging, somit über 6094 km zurückgelegt. Ebenso wurden diesmal total 1030KG Hilfsgüter transportiert.