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5. Ziel erneut Kramatorsk

16. Juni 2023 Dani Comments Off

Bei unserer letzten Hilfstour im März/April 2023 waren wir zum ersten Mal in der Ost-Ukraine. Knapp 30 KM vor der Frontlinie zu Bachmut ist der Bedarf an täglichem Material, insbesondere Hygieneartikel und Lebensmittel sehr gross, weil der Nachschub aus dem Westen nur schleppend erfolgt. Deshalb war es für uns klar, erneut diese riskante Strecke zu befahren und in Zusammenarbeit mit der Organisation TATOhub in Kramatorsk der Bevölkerung mit Sachspenden zu helfen. Doch bevor es soweit war, wurde in Kloten erst gesammelt und verpackt. Zudem war der erste Zwischenhalt der Reise, wiederum Borodjanka bei Kiev, wo die in Kloten ausgebauten Fenster eintrafen.

Diesmal liefen die Sammelaktionen in der Stadthaus-Passage leider nicht wie gewünscht. Man spürt vor den Sommerferien bereits etwas Spendenmüdigkeit. Vielleicht lag es auch daran, dass gleichzeitig auf dem Stadtplatz Veranstaltungen stattfanden. Vor allem konnten wir bei Weitem die gewünschten 1’000 Pakete Hygieneartikel für Kramatorsk nicht erreichen. Dafür nahmen wir diesmal auch Möbel und einen Kühlschrank mit sowie rund 30 gebrauchte Monitore für die Schul- und Stadtverwaltung in Borodjanka.

Nachdem der Lastwagen mit fast 200 ausgebauten Fenster beladen und losgefahren ist, wurde auch der Transporter und Anhänger fertig gefüllt und ist Richtung Ukraine gestartet.

Vorbei am Bodensee, diesmal zum ersten Mal nicht über Deutschland und Polen sondern über Österreich und Slowakei, ging es Richtung Ukraine. Da inzwischen der Sommer vor der Türe steht, war unterwegs das Wetter meistens sehr gut.

Nach dem Grenzübertritt von der Slowakei in die Ukraine bei Uschgorod führte die Strecke über die gebirgigen Karpaten auf 210 KM bis nach L’viv. Nach weiteren rund 500 KM über Riwne und Schytomyr, traf Buchs nach 2110 KM in Borodjanka ein, wo bereits der LKW mit den Fenster aus Kloten wartete. Diese wurden dort in das Zwischenlager abgeladen.

Nachdem in Kyiv noch Möbel abgeladen wurden, kaufte Buchs noch weitere Hygieneartikel und Lebensmittel ein, welche tags darauf mit den restlichen Sachspenden nach Kramatorsk in die Ost-Ukraine gebracht werden. Da er bereits schon vor zwei Monaten in der Ost-Ukraine war kannte er den holprigen Weg über Charkiv und Izjium vorbei an zerstörten Ortschaften nach Kramatorsk. Im Gegensatz zum April ist diesmal die Frontlinie vor Bachmut nur noch rund 22 KM entfernt.

Am frühen Abend erreichte Buchs dann Kramatorsk, wo er zuerst das Ambulatorium «Zentrales Zentrum für medizinische Grundversorgung Nr. 1» besuchte. Er konnte dort medizinische Geräte wie einen Sterilisator, eine Zentrifuge, ein Beatmungsgerät sowie ein Blutgerinnungs-Messgerät plus Verbands- und Desinfektionsmaterial sowie Inkontinent-Windeln übergeben. Die Freude war beim Team sehr spürbar.

Danach ging es zur Organisation TATOhub, welche sich hauptsächlich im Bereich Beschäftigungstherapien für Kinder engagiert. Gleichzeitig dient das Vereinslokal seit Beginn des Angriffskrieges auch für die Verteilung von Sachspenden in der Region. Bereits im April haben wir dort viele Sachspenden abgegeben. Diesmal waren wiederum Lebensmittel, Hygieneartikel, Plüschtiere aber auch Kleider für Kinder dabei.

Bevor Buchs die Rückfahrt antrat, besuchte er das befreundete «Cofe One» im Zentrum, welches feine Torten anbietet. Dass dieser Besuch Buchs beinahe zum Verhängnis wird, zeigte sich bereits eine halbe Stunde später, als nur 550 Meter entfernt um 19.30 Uhr Ortszeit zwei Raketen in die Ria Bar/Lounge an der selben Strasse im Zentrum einschlugen.

Noch um 19 Uhr postete Buchs aus dem Cofe One, wo er gegen 19.20 Uhr aufbrach und zurück zum Fahrzeug lief. Er fuhr durch die Vasylia Stusa Strasse und die Katerynycha Strasse, wo er noch seinen Standort in der Chat-Gruppe schickte, zurück über den Mashynobudivnykiv Boulevard Richtung Dnipro, als er ein lautes Zischen und einen dumpfen Knall hörte. Sofort erkundigt er sich bei seinem Freund Olexandr vom TATO hub, ob etwas passiert und sie ok seien. Erst etwa 30 Minuten später erfuhr Buchs, dass zwei Raketen in die Ria-Lounge eingeschlagen sind.

Die Rettungsarbeiten dauerten 1.5 Tage und am Ende mussten 12 Tote und über 60 Verletzte beklagt werden. Vom Team der Ria-Lounge waren praktisch alle Mitarbeitenden unter 30 Jahre alt und das jüngste Opfer war ein acht-Monate altes Baby. Als Begründung wurde von russischer Seite angegeben, die dort ansässige Catering-Firma hätte eine Kooperation mit der ukr. Armee, weil sie Verpflegung für sie zubereiten. Dass man deswegen so viele Menschenleben opfert ist für Buchs unverständlich und beschäftigte ihn auf der Rückreise sehr, wie er auch in der Chat-Gruppe äusserte.

In der Zwischenzeit ist Buchs längst wieder auf dem Weg zurück nach Kyiv, wo er sein Appartement bezog. Am Tag darauf war ein Besuch beim Zwischenlager der Fenster vorgesehen, um die Fenster auszupacken und zu überprüfen, ob alle heil angekommen sind. Ebenso wurde in Borodjanka auch der Kindergarten kurz besucht, welcher gerade renoviert wird, wozu auch die Stadt Kloten einen Beitrag zur Verfügung stellte. Danach war ein Besuch in einem nostalgischen Restaurant auf dem Plan.

Als Buchs am nächsten Tag, inzwischen war Donnerstag, eine befreundete Familie besuchte, war er erschüttert darüber, wie die im achten Monat schwangere Mutter mit ihren beiden Söhnen im Alter von 16 und 21 Jahren lebten. Alle drei schliefen in einem Raum, weil das zweite Zimmer unbewohnbar war. Auch das Badezimmer war in schlechtem Zustand und hatte nicht mal ein Lavabo. Der Kindsvater in spe wollte wohl die Verantwortung für das kommende Kind nicht tragen und liess die Mutter alleine zurück.

Diese Situation brachte Buchs spontan dazu, für die beiden Jungs ein Zimmer zu renovieren, damit sie ein eigenes Zimmer haben. Die Renovationsarbeiten dauerten dann über das Wochenende auch an, weshalb die Rückreise in die Schweiz um zwei Tage verschoben wurde. Doch der Aufwand hat sich gelohnt wie die folgenden Bilder zeigen. Die Möbel dazu wurden alle im Zürcher Unterland gesammelt.

Nach den Renovationsarbeiten brach Buchs am Montagabend Richtung Schweiz auf, wobei Nahe Riwne eine erste Übernachtungs-Pause eingelegt werden musste.

Am Dienstag führte die Rückreise wiederum via L’viv und Uschgorod durch die Slowakei und Österreich. In der Nacht auf Donnerstag nach Total 6360 KM und reine Fahrzeit von 36 Stunden traf Buchs wieder in Kloten ein und gönnte sich zum Abschluss einen Vodka. Bei dieser Tour wurden diesmal zusammen mit den Fenstern 12’980 KG Hilfsgüter transportiert, wobei 680 KG davon nach Kramatorsk gingen.

Ende August ist dann die voraussichtlich letzte Hilfstour geplant.