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9. Reise – Zwei Mal Ostfront

24. Februar 2024 Dani Comments Off

Am vergangenen Samstag jährte sich der Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine zum zweiten Mal. Ebenfalls seit zwei Jahren setzt sich unser Team vor Ort für die ukrainische Bevölkerung ein. Doch diese neunte Reise in den Osten war die gefährlichste bisher.

Anfang Februar wurden in Kloten und Umgebung viele Sachspenden gesammelt, insbesondere Kleider und Hygieneartikel. Denn diese werden zurzeit in der Ostukraine am meisten benötigt. Dabei half auch das stetig wachsende Netzwerk unseres Teams tatkräftig mit. 

Ebenfalls unter den Sachspenden waren auch diesmal Schutzbekleidung und Materialien für eine Feuerwehr im Raum Kyiv. Am Donnerstagabend ging es los und bereits am Samstagnachmittag traf Buchs Daniel in Borodjanka ein, wo das Feuerwehrmaterial überbracht wurde.

Nach kurzer Pause in Kiev ging es am anderen Tag zusammen mit einem Kollegen weiter Richtung Ostukraine. Am Sonntagabend war eine Übernachtung in Charkiv eingeplant, um am Montag möglichst bei Tageslicht zwei Ziele zu erreichen. Am Montagmorgen wurde in Charkiv noch weitere 90kg Lebensmittel wie Öl, Reis und auch Trinkwasser eingekauft und im Anhänger verstaut.

Diesmal war das erste Ziel die Stadt Kivscharivka (etwa so gross wie Kloten). Der Weg führte über die 12km von der Front entfernte und hart umkämpfte Stadt Kupjansk, deren Zentrum massiv zerstört ist, wie Buchs über die WhatsApp-Gruppe berichtet. Es herrschte dauernd Luftalarm und man hörte laute Mörserdetonationen. Über die Brücke des Oskil Rivers gelangt man zur Ostseite. Die 15km lange Strecke entlang des Flusses war herausfordernd, da die Strassen mit Schlaglöchern übersäht und aufgrund des Wetters auch sehr schlammig waren. Anstelle der geplanten 45 Minuten, dauerte die Fahrt dann auch über zwei Stunden.

Schnell fand man das Verteilzentrum der Gemeinde, doch es fehlte, auch nach Tagen seit der Kontaktaufnahme, die Genehmigung Sachspenden abgeben zu dürfen. Noch leben knapp 380 Menschen hier, der grösste Teil über 85 Jahre alt und oder invalid. Ein paar Telefonate später (und Verwunderung beim Militär, wie man überhaupt in die rote Zone von Kupjansk gelangen konnte) durften dann die Sachspenden doch noch ausgeladen werden.

Eigentlich wäre für Montag noch eine zweite Anlaufstelle geplant gewesen. Doch der Weg weiter dem Fluss entlang Richtung Kramatorsk wurde nicht besser und so trafen Buchs und sein Kollege erst am späten Abend nach 110km in Slowjansk ein, wo sie übernachten mussten. Nach langer Suche fanden sie um 22 Uhr noch einen Imbiss, wo sie etwas Essen kaufen konnten. Denn auch in Slowjansk sind viele Geschäfte, insbesondere nach 19 Uhr geschlossen.

Am Dienstagmorgen kam dann die Überraschung: nicht nur das Stützrad war wegen den tiefen Schlaglöcher beschädigt; durch die über 60km lange holprigen Strassen und den vielen Schlaglöchern vom Vortag haben nicht alle Lebensmittel heil überstanden. Da zwei Wasserkanister und auch ein paar Reispakete geplatzt waren, gab es eine ziemliche Sauerei im Anhänger. Diese wurde bei eisigen Temperaturen kurz beseitigt und Ersatz an Lebensmitteln eingekauft, bevor es weiter zum Ziel 2 ging.

Obschon seit fast einem Jahr wichtige Sachspenden nach Kramatorsk geliefert wurden, war es stets das Bestreben von Buchs, möglichst viele Spenden direkt an die Bevölkerung zu verteilen, welche es am nötigsten hat. Dies ist nun mal halt nahe den Frontlinien. So wollte Buchs bereits seit der Tour im November auch nach Chassiv Yar, die Frontstadt knapp 10-12km vor Bachmut, was jedoch bislang nicht möglich war. Die Kontaktaufnahme Tage zuvor via Militäradministration beschrieb Daniel Buchs alles andere als freundlich oder hilfsbereit. Eine Person allein entscheidet, ob eine Region überhaupt mit Sachspenden beliefert werden darf. Und wenn diese Person eher prorussisch eingestellt ist, wie er befürchtete, dann wird es ziemlich schwierig. „Wir bekamen weder Zu- noch Absage, einfach hinhaltende Worte und sinnloses Blabla über mehrere Tage. So blieb uns nichts anderes übrig, als am Dienstag einfach drauflos zu fahren“. Doch schon schnell wird sichtbar, dass diese Region nicht ungefährlich ist.

Über Kostjantynivka fuhren Buchs und sein Kollege am Morgen auf der T504 Richtung Bachmut, um nach Stupotschky Richtung Chassiv Yar abzuzweigen. Doch so weit kamen sie nicht; bei Stupotschky wurden sie an einem Kontrollpunkt des Militärs aufgehalten. Es kam gar nicht zu einer Kontrolle, denn wenige Sekunden später schlug bereits die erste Mörsergranate wenige Hundert Meter entfernt mit einem heftigen Knall ein, so dass die Militärs schrien, sie sollen sofort umkehren. Zurück in Kostjantynivka fuhren die zwei dann über die holperigen Nebenstrassen via Mykolajvka in das 20km entfernte Chassiv Yar. 

Die Stadt ist komplett zerstört. „Hier existiert rein gar nichts mehr; es gibt weder Strom noch Wasser und die Häuser haben keine Fenster und Türen. Trotzdem verharren immer noch knapp 900 Menschen hier“, sagt Buchs erschüttert. Im Zentrum (nur 10km vom Spital Bachmut entfernt) verteilten sie über zwei Stunden an drei Standorten 150 KG Lebensmittel aus der Schweiz, sowie Kleider und Hygieneartikel, obschon alle 10-15 Minuten Mörserbeschüsse im Zentrum erfolgten. Zu ihrem Glück war der Himmel an diesem Tag massiv bewölkt und es schneite leicht. Dadurch bestand kaum eine Gefahr von russischen Drohnen entdeckt zu werden, zumal sich immer mehr Hilfsbedürftige rund um das Fahrzeug von KlotenHelpsUkraine versammelten. Die Menschen zeigten sich sehr dankbar und waren sichtlich gerührt. Eine Person schenkte dem Team sogar eine Flasche selbstgebrannten Rjilka. Den Truppen des Militärs übergaben sie 20 KG Schokolade aus der Schweiz.

Eiligst fuhren Buchs und sein Kollege vor Beginn des Eindunkelns zurück nach Kramatorsk, wo dann beim Team des TATOhubs die restlichen Sachspenden ausgeladen wurden. Nach einem kurzen Austausch über die aktuelle Situation und die Tätigkeiten fuhren Buchs und sein Kollege zurück Richtung Kiev.

Am Donnerstag und Freitagmorgen verbrachte Buchs die Zeit mit Koordination von Kontakten zu Waisenhäusern in der Ukraine, welche sie auf der nächsten Tour mit Spielsachen und Kinderkleider unterstützen möchten. Ebenso stand ein kurzer Besuch in Kiev auf dem Programm, bevor er am Nachmittag fuhr dann nach L’viv in der Westukraine fuhr.

Am Samstagmittag stand der Besuch eines Waisenhauses in den Karpaten auf dem Plan, bevor Buchs dann weiter zurück in die Schweiz fuhr und nach 6163km eintraf.

Nächste Reise über Ostern

Bereits bereitet das Team von KlotenHelpsUkriane die nächste Reise vor, welche Ende März über die Ostertage geplant ist. Es wird die zehnte Reise sein. Nebst Kleidern für 5 – 16 jährige Kinder für ein Waisenhaus werden auch wieder insbesondere Inkontinent-Artikel sowie Hygieneartikel gesammelt.