TATOhub

Die humanitäre Arbeit im umkämpften Kramatorsk

Gemeinschaftsräume in der ganzen Ukraine helfen Familien, die psychologischen Herausforderungen des Krieges zu bewältigen.

Die Geschichte eines Angelclubs, der sich in eine Nichtregierungsorganisation verwandelte, die Ukrainern bei der Evakuierung aus der Region Donezk half, humanitäre Hilfe sammelte und nun Vertriebenen in verschiedenen Gemeinden der Ukraine psychologische und sonstige Unterstützung bietet. Das Netzwerk der TatoHubs arbeitet weiterhin in vielen Städten und Gemeinden und bleibt den tragischen Ereignissen in der Ukraine nicht fern. Wir möchten Ihnen von der humanitären Arbeit von TatoHub erzählen, das in  Kramatorsk ansässig ist und seine Arbeit rund um die Uhr unter äußerst schwierigen Bedingungen fortsetzt und weshalb wir diese Organisation unterstützen. Die Organisation ist seit 2018 aktiv. Ihre Gründer sind Aktivisten der Fischergemeinschaft in Kramatorsk in der Region Donezk. 

Kunstarbeiten der Kinder von TATOhub
Team von TATOhub mit Dani Buchs von KHUA (2.v.r.)
«Mit Kunsttherapie soll den Kinder geholfen werden. Sie sollen lernen, psychosoziale Prozesse
besser zu steuern und stabiler gegen Stress zu werden.»
Natascha, TATOhub
September 2023

Tato heisst Vater und im «Tato Hub» der ostukrainischen Stadt Kramatorsk bemühen sich Freiwillige um das Wohl der in dem Kriegsgebiet gebliebenen Kinder. «Viele schlafen schlecht, sie haben übergrosse Angst vor Dunkelheit oder fürchten laute Geräusche», sagt Natascha, die sich als «Fall-Managerin» bei dem Hilfsprojekt engagiert. Oft würden auch schon Auffälligkeiten im Verhalten festgestellt. Viele Kinder kämen aus Ortschaften, die Brennpunkte des Krieges seien. Ihre Familien haben sich vor den Kampfhandlungen in die Kleinstadt gerettet. Hinter einer Tür wird gesungen, auf den Tischen stehen Spielzeuge und bunte Bastelarbeiten. «Damit wird die Feinmotorik geübt. Etwas mit den Händen machen, Sachen ausschneiden», sagt Natascha. Das Konzept dabei: «Mit Kunsttherapie soll den Kinder geholfen werden. Sie sollen lernen, psychosoziale Prozesse besser zu steuern und stabiler gegen Stress zu werden.»

Durch den Krieg fehlt es den Kinder auch schnell an sozialen Kontakten. Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Unterricht findet über das Internet statt. Freunde haben die Region oder das Land verlassen. Mehrfach am Tag ertönt Luftalarm. Beängstigend könnten auch die laut fahrenden Lastwagen, mitunter auch Panzer, sein. Raus zum Spielen dürfen die Kinder während der Spielrunden im «Tato Hub» wegen der Gefahren nicht. Auch ist die maximale Zahl der kleinen Teilnehmer aus Sicherheitsgründen auf 15 Kinder in einer Gruppe beschränkt. Werden es mehr, muss die Gruppe geteilt werden. Die Eltern – ganz überwiegend die Mütter – sitzen vor der Tür und warten.

Gleich zu Beginn der Kämpfe wurde ein gemeinsames humanitäres Koordinierungszentrum „Alles wird gut“ mit einer eigenen Facebook-Seite, Hotline, Online-Bedarfserfassung, aktiven Freiwilligenteams und zahlreichen Partnern eingerichtet.

Derzeit arbeitet der humanitäre Verein „Alles wird gut“ in drei Richtungen:

· Bietet der Bevölkerung humanitäre Hilfe, einschließlich Nahrungsmitteln, Medikamenten und Hygieneprodukten für Kinder und Erwachsene.

· Organisiert Busevakuierungen zum Transport von Zivilisten aus den gefährlichsten Städten und Dörfern, darunter auch spezielle Evakuierungen für Schwerstkranke und Menschen mit Behinderungen.

· Freiwillige leisten Informationshilfe und koordinieren den Schienenverkehr im großen Maßstab in sicherere Städte.

Seit Beginn der Eskalation haben ehrenamtliche Helfer 500.000 Informationsgespräche geführt und mehr als 8.000 psychologische Beratungen offline und online durchgeführt. Dank Zusammenarbeit mit unserer Organisation KlotenHelpsUkraine konnten seit März 2023 auch über 1’000 Hygienepakete und verschiedene Produkte für Damenhygiene verteilt werden.

Strahlend kommen die Kleinen schliesslich aus dem Raum. Es sind Mädchen wie die kleine Dascha, die sich einen Haarreif mit Katzenohren auf den Kopf gesteckt hat. Schön findet die Fünfjährige, dass hier gespielt wird und Spässe gemacht werden. «Ich mag kleine Katzen und kleine Hunde», sagt sie an der Hand ihrer Mutter. Der Haarreif sei aber Schmuck, keine Verkleidung.

An der Wand hinter ihr hängt auch ein Plakat, auf dem vor Minen gewarnt wird. Der Chef der Einrichtung Olexandr ist ausgebildeter Kampfmittelräumer, wird erklärt, und nutzt die Fotoabbildungen, um die Kinder auf die Gefahr vorzubereiten. Auch einen anderen Hilfsdienst bietet der «Tato Hub» an: Wer Kramatorsk als zu belastend oder gefährlich empfindet, kann eine Evakuierungsfahrt in Anspruch nehmen. Dann wird die Familie kostenlos aus dem frontnahen Osten weiter in die Mitte oder den Westen der Ukraine gebracht.

Ein paar Impressionen von März 2023 - August 2024 mit TAOhub

Alle Bilder von KlotenHelpsUkraine und TATOhub. Für eine grosse Vorschau, einfach auf entsprechendes Bild klicken.